Effektkette

Die richtige Anordnung der Effektgeräte ist entscheidend für das Gelingen des Sounds. Effektgeräte haben nämlich die Eigenschaft, sich im Sound gegenseitig mitunter negativ zu beeinflussen. Bei einer falschen Schaltung ist der erzielte Sound oft dünn oder matschig und undefiniert. So ist es im Regelfall ungünstig, das Delay oder Reverb vor die Verzerrung oder einen Kompressor zu setzen, denn ein unnatürlich abklingender Soundbrei wäre hier das Resultat.

 

Grundlegende Anordnung der Effektgeräte

Es gibt eine gewisse Grundordnung, die verlässlich gute Resultate im Klang bietet:

Klangbildende Effekte
Klangmodulierende Effekte
Klangverzögernde Effekte

Pickup Simulator -> WahWah (Auto-Wah und diverse andere Filter) -> Kompressor  -> Equalizer (vor Zerre) ->  Overdrive/Distortion  -> Equalizer (nach Zerre) -> Modulationseffekte -> Delay oder Echo -> Reverb

Das ist aber nur, wie gesagt, eine gewisse Grundanordnung. Manche setzen zum Beispiel Modulationseffekte vor die Verzerrung, was auch gut klingen kann. Auch kann bei bestimmten Verzerr-Effekten das Wah nach der Verzerrung geschaltet werden, was besonders beim Fuzz sogar vorteilhaft sein kann (siehe Jimi Hendrix).

Bei einem Verstärker ist die Vorstufe für den Klang und auch die Anzerrung des Signals zuständig, die Endstufe für die Lautstärke. Routet man daher alle Effekte in Serie dem Input zu, so werden auch alle Effekte angezerrt, auch Modulationseffekte, Delay und Reverb. Diese Effekte wollen eigentlich nicht weiter angezerrt werden. Bei Verstärkern, die keinen Einschleifweg haben, ist das aber die einzige Möglichkeit. Dreht man diese Verstärker nicht zu laut auf, wenn man etwa zuhause im Wohnzimmer spielt, dann ist das klanglich nicht übermäßig tragisch, da bekanntlich der Grad der Verzerrung mit der Lautstärke (Gain) ansteigt. Bei höheren Lautstärken wirkt sich das aber negativ auf den Klang aus.

Verstärkung ohne Einschleifweg

Effektgerät

in der Praxis:
Effektgerät

So ist meine Anordnung: Kompressor, Overdrive (entweder alleine eingesetzt oder um die Distortion zusätzlich zu boosten), Distortion, 7-Band Equalizer, Phaser, Flanger, Chorus (letzte drei benutze ich selten gemeinsam), Delay, Looper; Mein Lieblings-Heimamp (Peavey Windsor Studio) hat ein eingebautes Spring-Reverb, so dass ich keines aufs Pedalboard aufgeschraubt habe.

 

Verstärkung mit Einschleifweg

Effektgerät

Mit der Nutzung des Einschleifwegs wird erreicht, dass die Effekte, die nicht von der Vorstufenzerrung klanglich profitieren würden, hinter die Vorstufe geschaltet werden können. Ihr Signal wird dann der Endstufe zugeführt. So wird ein Verwaschen des Sounds durch falsches Mod-, Delay- und Reverb-Routing vermieden.

 

Konstruktionstipps für das Pedalboard

Wer ein günstiges und flexibles Pedalboard haben will, der kommt um den Eigenbau fast nicht herum. Der Markt bietet fast nur unflexible cases an, die dann entweder nur Pedale einer Firma aufnehmen können oder sündhaft teuer sind. Sicher bieten Sie gegenüber dem Eigenbau auch manche Vorteile (z.B. stabiles Transportgehäuse), doch die lassen sich an einer “halben” Hand abzählen.

Kurz: wer flexibel sein will und ein Minimum an handwerklichem Geschick besitzt, der kann das auch alleine fast für lau hinkriegen. So, hier nun ein paar Tipps:

1. Messe dein Transportbehältnis als erstes ab
Als Erstes misst du deine Tasche oder deinen Koffer ab, den du bereits zur Verfügung hast, und lasse etwas bischen Platz. Das hütet dich vor unangenehmen Überraschungen und du kannst wieder Geld sparen, indem du als Transportbehältnis einfach etwas nimmst, was du schon hast.

2. Mache dir vorher einen Plan, was und wie du alles draufmontieren willst
Im zweiten Schritt musst du jetzt jedes Effektgerät ausmessen und dir überlegen, was du alles aufs Pedalboard montieren willst. Jedes Effektgerät hat seine Breite und braucht auch Abstand zum nächsten Effektgerät, etwa 4 cm, will man es mit Patchkabeln verbinden (siehe Abbildung 2 auf dieser Seite). Dieser Link führt euch hier zur günstigsten Lösung: Patchkabel. Vielmehr brauchst du eigentlich nicht, ich verwende die selbst (siehe oben).
Um dir etwas Platz und eine Winzigkeit an Kabelwegs-Widerstand zu ersparen, kannst du auch einen geraden Mono-Klinkenstecker verwenden.  Eine gute Alternative. Aber sei gewarnt: Willst du dann aber einen Effekt tauschen, musst du die gesamte Reihe an Effektgeräten wieder abbauen…
Plane auch einen Trafo zur Stromversorgung mit ein. Es ist besser, alles auf einem Brett zu haben als hinterher Scherereien.

3. Schraube dir die Effektgeräte zerstörungsfrei auf dein Pedalboard
Eins vorweg: von Klettbändern halte ich nichts. Zwar bieten sie den Vortel der Flexibilität, aber sie siffen mit der Zeit ein, leiern aus, und man muss seine Effektgeräte mit ekligem Kleber beschmieren. Das geht auch anders und meistens für lau:
Geh doch mal zum Fahrradladen und hol dir ein paar Kettenglieder. Meist ist der Fahrradhändler froh, wenn du ihm etwas Schrott abnimmst und wenn er korrekt ist, dann schenkt er sie dir. Die Verbindunsscheiben schraubst du dann mit den gehäuseeigenen Schrauben an das Gehäuse und schließlich ans Pedalboard (siehe Abbildung unten). Es gibt auch spezielle Scheiben zu kaufen, aber wozu? Spar dir das Geld!

Zerstörungsfreie Montage

Zerstörungsfreie Montage

 

Einschleifen des Multieffektgerätes

Multieffektgeräte haben schon von der Werkseinstellung her eine richtig angeordnete (vom Benutzer aber veränderbare) Effektkette eingespeichert bekommen. Beim Einschleifen eines Multieffektgerätes mit eigenen Send/Return – Buchsen  profitiert man davon, dass das Signal in der Regel nach der im Gerät integrierten Verzerrer-Abteilung zum Send-Ausgang geleitet wird. Beim Benutzen der Buchse wird der ursprüngliche Signalverlauf also umgeleitet.

Erstmal geht man von der Gitarre in den Multieffektgerät-Input. Vom Multieffektgerät-Send geht es dann in den Verstärker-Input. Dann aus dem Verstärker-Send in den Multieffektgerät-Return, und zu guter letzt vom Multieffektgerät-Output in den Verstärker-Return. Fertig.

Effektgerät

Das richtige Einschleifen eines Multieffektgerätes kann also einen Kabelsalat verursachen. Am besten bindet man per Kabelbinder die entsprechenden Kabel zusammen und beschriftet sie, sonst dauert das Ganze noch länger. Es lohnt sich aber, da die Modulationseffekte des Geräts so nicht über die Vorverstärker-Verzerrung geleitet werden und ihr Sound klar bleibt.

Hat das Multieffektgerät keine eigenen Send/Return – Buchsen, so setzt man es am besten in den Einschleifweg des Verstärkers.

 

Multieffektgeräte: Pros und Cons

Für viele stellt sich diese Frage gar nicht erst. Puristen bleiben dem Grundgedanken treu, nur analoge Effektgeräte, die einzeln angefertigt wurden, taugen klanglich auch etwas. Viele betreiben deshalb in fast schon religiöser Art und Weise eine Anhäufung von Effektgeräten, die nur auf analoger Technik beruhen (besonders ausufernd ist dieses Verhalten seit Neuestem in punkto Analog-Delays). Andere wiederum lassen auch digitale Effekte an sich heran, aber ein Einzelteil muss es dann sein. Wieder andere setzen von Haus aus nur auf Multieffektgeräte wegen ihrer vielen nichtklanglichen Vorteile und wieder andere besitzen beide Varianten und kombinieren diese sogar.

Multieffektgeräte gibt es entweder als Rack-Version oder als Bodentreter-Variante. Die Rack-Version bietet den Vorteil, alles in einem Block integrieren zu können, will man diese aber auf der Bühne fernsteuern, dann braucht man wieder einen Fußschalter. Von der Bedienbarkeit her ist die Bodentreter-Version wesentlich direkter.

Hier wären wir schon bei einem Hauptvorteil der Multieffektgeräte: schnelles Umschalten. Wenn man auf der Bühne zwischen zwei unterschiedlichen Sounds umschalten will, dann geht es mit eingespeicherten Patches nunmal am schnellsten. Einzelpedale bedeuten ein wildes Umherspringen, Bücken und Herumschrauben (und das vielleicht bei wenig Licht auf der Bühne). Ein anderer Vorteil ist die Kompaktheit. Es müssen nicht viele Pedals herumgeschleppt werden. Selbst wenn diese auf ein Pedalboard geschraubt sind, dann ist das Multieffektgerät doch wesentlich handlicher. Der dritte und größte Vorteil ist der Preis: verglichen mit einzelnen Effektgeräten fährt man mit einem Multieffektgerät meist wesentlich günstiger.

Die Vorteile der Einzelpedale sind auch nicht zu verachten: Man kann flexibler Sounds generieren und ist nicht an vorgegebene Effektketten gebunden. Zudem lässt sich jedes Einzelpedal für sich schneller und freier aktivieren und bedienen, da man ja alles direkt vor sich hat. Man sieht auch gleich, was man geregelt hat. Bei größeren Änderungen dauerts dann aber. Viele Effektgeräte besitzen einen True-Bypass, so dass der Widerstand beim Durchlaufen der Effekte geringer ist und mehr Sound herauskommt. Und man kann mehr experimentieren. Neue Effekte hinzufügen und alte herausnehmen gestaltet sich völlig problemlos. Hat man ein interessantes Pedal entdeckt, egal von welcher Firma, dann kann man es einfach einschleifen. Beim Multieffektgerät muss man mit dem zufrieden sein, was es bietet.

Zur Not kann man auch beides kombinieren. Bleibt aber zu hoffen, dass durch den daraus entstehenden erhöhten Widerstand kein dünner Sound entsteht. Notfalls kann man dann einen Preamp dazwischenschalten.

Effektgerät

Der Humanizer des Boss GT-3 wurde benötigt. Preamp beugt dünnem Sound vor.

 


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