Amps

Nicht zuletzt die Wahl des richtigen Amp entscheided über den gelungenen Sound.

Die Entwicklung der E-Gitarren ging natürlich mit der Entwicklung der Amps Hand in Hand, denn eine E-Gitarre ohne Verstärker klingt bekanntlich nicht nach viel. Über die Jahrzehnte ist so ein breit gefächertes Spektrum an Amps entstanden, das für jede Musikart und Intensität das Richtige bereithält.

Erst die Verstärker haben der E-Gitarre also zu Ruhm verholfen. Zu Beginn der E-Gitarren-Zeit in den 30er Jahren ermöglichten Amps, die Gitarre als von der Lautstärke her gleichwertiges Instrument neben z.B. Schlagzeugen und Blasinstrumenten einzusetzen (auf diese Weise entstand die elektrische Jazz-Gitarre). Heute ist sogar die Beschallung ganzer Stadien dank Verstärkern, Boxen, PAs und Monitoren technisch leicht realisierbar.

Bis dahin war es ein langer Weg, der viele Klassiker entstehen liess, wie etwa den Fender Vibrolux Reverb oder den britischen Klassiker VOX AC30. 

Grundsätzlicher Aufbau von Verstärkern (häufige Variante)

Allgemein lassen sich zwei Arten von Verstärkern unterscheiden: Röhren- und Transistorverstärker. Der alte Grundsatz, Röhrenverstärker seien “gut” und Transistorverstärker “schlecht” gilt heute dank moderner Technologie nicht mehr. Röhrenverstärker klingen trotzdem oft weicher, voller und wärmer, haben gegenüber den Transistorverstärkern aber einige Nachteile (vor allem in punkto Preis, Gewicht und Größe).

Aber nicht nur von der Art der Verstärkung hängt der Sound ab. Auch das Material, die Bauweise (offen oder geschlossen, Combo oder Top), die Anzahl, Art und Anordnung der Lautsprecher, Bespannung, die Gehäusekonstruktion an sich und individuellere Faktoren beeinflussen den Klang.

Grundsätzlich gibt es (neben dem immer mehr aufkommenden Amp-Modelling) folgende drei Bauweisen:

1. reine Röhrenverstärker:
Bei (Voll)Röhrenverstärkern bauen sowohl die Vor- als auch die Endstufe auf Röhrentechnologie auf.

2. reine Transistorverstärker:
Vor- und Endstufe werden mit Transistoren verstärkt.

3. Hybridverstärker:
Die Vorstufe besteht aus Röhren (oftmals nur eine), die Endstufe wird Transistorverstärkt.

 

Röhrenverstärker

Vor- und Endstufe werden mithilfe von Röhren verstärkt. Je höher der Gain, desto stärker wird der Sound angezerrt. Die Übergänge von Low- zu High-Gain sind dabei fließend. Der Zerrsound klingt warm und weich, auch der Cleansound.

Die Amplitude beim Röhrenverstärker wird sanfter Begrenzt als bei einem Transistorverstärker. Das “Clipping”, also das Kappen der Kurve fällt viel weicher aus:

 

Röhren-Vorstufen

Die Vorstufen sind fast immer mit Doppeltrioden aufgebaut. Am häufigsten werden die Röhren ECC83 (US-Bezeichnung 12AX7A) verwendet. Gelegentlich werden auch ECC81- (12AT7) und seltener ECC82-Röhren (12AU7A) verbaut. Zwar haben alle dieselbe Bauform und Pinbelegung, doch können sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Kennlinien nicht ausgetauscht werden. Die Röhren werden mit einer Heizspannung von 6,3 V versehen.

 

Prinzipschaltbild Röhrenvorstufe

 

Röhren-Endstufen

Röhren-Endstufen werden mithilfe von Pentoden-Röhren verstärkt. Um eine hohe Leistung zu erzielen, werden meist zwei bis vier Pentoden im Gegentakt betrieben, bei manchen Amps sind es auch sechs bis acht. Kleinere Verstärker werden oft mit den Röhren EL84 (6BQ5), größere mit EL34 (6CA7) ausgestattet.

Röhrenendstufen leiden systembedingt an großer Wärmeentwicklung. In der Röhre kann die Kathode schon mal 800°C erreichen. Deshalb haben moderne Verstärker eingebaute Lüfter und hinten geschlossene Amps verfügen über Lüftungsschlitze, die nie bedeckt werden dürfen.

Röhren-Endstufen dürfen niemals ohne Last am Ausgang betrieben werden, also ohne Lautsprecher oder Boxen. Der Ausgangsüberträger überhitzt sich und die Trafo-Windungen beginnen durchzuschmoren -> Kurzschluss

Röhrenalterung

Röhren sind Verschleissteile. Ihre Lebensdauer ist begrenzt, da sich mit der Zeit die Elektronen aussendende Schicht von der Kathode ablöst und sich an der Anode ablagert. Zusätzlich werden gerade bei Gitarrenverstärkern (vor allem Combos) die Schweißstellen durch Hitze und Vibration beeinträchtigt.

Der Verschleiß bei den Röhren im Vorverstärker hält sich in Grenzen, da können sie schon 10 Jahre halten. Kritischer und empfindlicher sind die Pentoden der Endstufe.

Röhren altern schneller, wenn

- sie dauerhaft beansprucht werden (bei längeren Spielpausen ausschalten)
- sie hochgradig beansprucht werden (bei Dauerbetrieb über 2/3 des Regelbereichs)
- die Verstärker am Ausgang fehlangepasst sind (Unter- und Überanpassung, z.B. 4Ω-Box an 16Ω-Ausgang oder umgekehrt)

Transistorverstärker

Transistorverstärker haben im Lauf der letzten Jahrzehnte klanglich aufgeholt. Das liegt unter anderem an veränderten Bauweisen (Schaltungen) und neuen Technologien wie sog. “soft-clipping”-Systemen (allerdings ein digitales Modelling), die mit Einsetzen der Verzerrung die Kurven nicht mehr so bretthart abschneiden lassen wie einst.

Clipping bei Transistorverstärkung

 

Transistor-Vorstufen

Verglichen mit Röhrenbauweisen arbeiten Transistorverstärker mit weniger Spannung und ohne Heizungen. Meist werden mindestens zwei Transistoren gekoppelt. So können die Vorstufen bis zum Einsetzen der Verzerrung linear arbeiten. Dann aber wird die Kurve oben wie unten hart gekappt.

Prinzipschaltbild Transistorvorstufe

Transistor-Endstufen

Transistor-Endstufen sind sehr diffizil aufgebaut. Trotzdem gelten sie als handsam im Gebrauch: Sie altern nicht, haben stabile Kennlinien, keinen Ausgangsüberträger, niedrige Klirrverzerrungen, sind kurzschlussfest, belastbar und stark (Ausgangsleistungen im Kilowattbereich sind möglich).

Ein großer Vorteil ist die Lehrlauffestigkeit von Transistor-Endstufen. Das Aussteuern ohne Lautsprecher bleibt ohne Folgen.

Transistor-Endstufen arbeiten immer im Gegentaktbetrieb. Das Clipping bei Übersteuerung fällt trotzdem immer scharf aus. Ausgestattet sind sie meist mit MOS-Transistoren, die die bipolaren Transistoren unter anderem aufgrund höherer Grenzfrequenzen und thermisch geringerer Empfindlichkeit ersetzt haben.

 

Hybridverstärker

Hybridverstärker bestehen aus einer Röhrenvor- und Transistor-Endstufe. Sie liefern also die Zerre der Röhrenvorstufe und verstärken sie in der Endstufe durch Transistoren. Diese Kombination ist vor allem im Rock- und Metal-Bereich beliebt, denn sie sind wesentlich robuster als Vollröhrenvertärker und man kann unbekümmert laut aufdrehen (zumindest technisch gesehen). Gute Hybridverstärker sind außerdem schon zu günstigen Preisen zu haben.

 

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